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Holsteinische Schweiz

Sehenswürdigkeiten in der Holsteinischen Schweiz

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Sehenswert

Sehenswürdigkeiten in der Holsteinischen Schweiz: Schlösser, Seen und Bungsberg

Die Region bündelt auf engem Raum, was eine Motorradtour rund macht: Schlösser, Aussichtspunkte, Seenpanoramen und kurze Stichfahrten ans Ostseeufer. Die meisten Ziele liegen so dicht beieinander, dass sich an einem entspannten Tag mehrere kombinieren lassen.

Schloss Plön – das einzige Höhenschloss des Landes

Schloss Plön thront weithin sichtbar über der Stadt und dem Großen Plöner See. Es ist eines der größten Schlösser Schleswig-Holsteins und das einzige in Höhenlage erhaltene. Erbaut wurde es zwischen 1633 und 1636 unter Herzog Joachim Ernst von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön; später diente es unter anderem als Kadettenanstalt und Internat. Seit 2002 gehört es der Fielmann Akademie. Reguläre Öffnungszeiten gibt es nicht, die Innenräume lassen sich aber im Rahmen von Führungen nach Voranmeldung besichtigen. Das Schlossgebiet mit Schlossberg, Prinzengarten und Aussicht über den See ist frei zugänglich – ein lohnender Fotostopp.

Streckenbezug: Plön liegt direkt an der B430 und B76. Parken lässt sich gut im Bereich des Bahnhofs und am Schlossgebiet; von dort sind Schloss, Altstadt und der Weg zur Prinzeninsel zu Fuß erreichbar.

Schloss Eutin – das „Weimar des Nordens"

Schloss Eutin gehört mit rund 850 Jahren bewegter Geschichte zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern Schleswig-Holsteins. Das Schloss öffnet in der Saison von 11 bis 17 Uhr; Schlossmuseum, der Englische Landschaftsgarten und der Historische Küchengarten laden zum Verweilen ein. Eutin selbst galt um 1800 als „Weimar des Nordens" – ein Zentrum geistigen Lebens, in dem unter anderem der hier 1786 geborene Komponist Carl Maria von Weber wirkte.

Streckenbezug: Eutin liegt an der B76 und ist von Plön in wenigen Minuten erreichbar. Rund um den Großen Eutiner See und in Richtung Kellersee beginnen schöne Uferstrecken.

Großer Plöner See und Prinzeninsel

Der Große Plöner See ist der größte See der Holsteinischen Schweiz und liegt mitten im Naturpark. Zwei Gletscher formten hier während der Eiszeit ein tiefes östliches und ein flacheres westliches Becken. Eine Besonderheit ist die Prinzeninsel bei Plön – genau genommen eine schmale Halbinsel, die rund zwei Kilometer in den See hineinreicht und an der engsten Stelle nur etwa 30 Meter breit ist. Sie ist nur zu Fuß, mit dem Rad oder per Schiff erreichbar; am Wegrand liegen ein historischer Apfelgarten und ein kleines Teehaus mit Blick über See und Schloss.

Parken: Das Motorrad bleibt am Stadtrand von Plön stehen, der Weg auf die Halbinsel ist autofrei – ein guter Punkt, um die Beine zu vertreten.

Bungsberg – höchste Erhebung Schleswig-Holsteins

Der Bungsberg bei Schönwalde am Bungsberg ist mit 168 Metern die höchste Erhebung Schleswig-Holsteins – geologisch eine eiszeitliche Endmoräne. Oben steht der historische Elisabethturm (1863/64 errichtet, heute 22 Meter hoch) sowie der Fernmeldeturm mit einer öffentlich zugänglichen Aussichtsplattform. Bei guter Sicht reicht der Blick bis zur Ostsee und nach Mecklenburg-Vorpommern. Am Berg gibt es ein Naturerlebniszentrum mit Gastronomie und einen Waldspielplatz.

Streckenbezug: Die Anfahrt führt über kurvige Landstraßen durch Wald – eine der fahraktivsten Ecken der Region. Parkmöglichkeiten gibt es am Berg.

Malente und die Fünf-Seen-Region

Malente ist das Tor zur seenreichsten Ecke der Region. Von hier startet die bekannte Fünf-Seen-Fahrt, eine Fahrgastschifffahrt von Malente-Gremsmühlen über mehrere Anlegestellen bis Plön-Fegetasche, die über Dieksee, Langensee, Behlersee, Höftsee und Edebergsee führt. Wer das Bike stehen lassen will, kombiniert eine Etappe mit der Schiffsfahrt. Rund um Malente und den Kellersee liegen die schönsten Uferstrecken zum Cruisen.

Ostsee-Nähe: Hohwacht und Wallnau

Die Holsteinische Schweiz endet praktisch an der Ostsee. Das Ostseebad Hohwacht lockt mit langem Sandstrand und einer bewaldeten Steilküste mit Aussichtsplattform – ein lohnender Abstecher nach Norden. Etwas weiter, schon auf der Insel Fehmarn, liegt das NABU-Wasservogelreservat Wallnau: ein rund 300 Hektar großes Vogelschutzgebiet an einem Schnittpunkt großer Zugvogelrouten, in dem im Jahresverlauf bis zu 250 Vogelarten beobachtet werden können. Das Gelände – eine ehemalige Teichwirtschaft an der Westküste der Insel – wird über ein Kanalsystem reguliert und unter anderem von Moorschafen und Galloway-Rindern offengehalten. Beobachtungshütten („Hides") erlauben die Naturbeobachtung aus nächster Nähe. Das Außengelände ist in der Saison frei zugänglich – ein ruhiger Kontrapunkt zum Fahren und ein guter Wendepunkt der Küstenrunde.

Die Fehmarnsundbrücke als Fahrziel

Ein lohnendes Ziel am Rand der Region ist die Fehmarnsundbrücke, die seit 1963 die Insel Fehmarn mit dem Festland bei Großenbrode verbindet. Ihre markante Bogenkonstruktion hat ihr im Volksmund den Spitznamen „Kleiderbügel" eingetragen; seit 1999 steht sie unter Denkmalschutz. Die Brücke überspannt den Fehmarnsund und ist Teil der sogenannten Vogelfluglinie, der direkten Verkehrsachse zwischen Hamburg und Kopenhagen. Wer die Küstenrunde fährt, überquert sie auf der B207 – ein eindrucksvoller Moment mit weitem Blick über die Ostsee.

Kultur & Sagen

Sagen um den Ukleisee: versunkene Kapelle und Seegeister

Motorrad in einer Kurve auf einer Landstraße zwischen Wiesen
Kurven zwischen den Seen

Eine alte Kulturlandschaft wie die Holsteinische Schweiz lebt nicht nur von Schlössern und Seen, sondern auch von ihren Geschichten. Viele davon ranken sich ums Wasser – wenig verwunderlich in einer Gegend, in der fast jede Straße irgendwann an ein Ufer stößt. Historisch belegt ist davon nichts, es ist Erzählgut, und als solches steht es hier.

Die versunkene Kapelle im Ukleisee

Die bekannteste Sage der Region rankt sich um den Ukleisee bei Eutin-Sielbeck, zwischen Kellersee und Ukleisee gelegen. Der Sage nach stand dort einst, wo heute der See liegt, ein liebliches Tal mit einer Kapelle. Ein Ritter und ein armes Bauernmädchen verliebten sich ineinander, doch der Ritter brach sein Versprechen und verlobte sich mit einer reichen Gräfin. Das Mädchen starb aus Gram. Am Hochzeitstag soll ihr Geist dem Ritter in der Kapelle erschienen sein – worauf ein gewaltiges Unwetter losbrach, das die Kapelle samt der Hochzeitsgesellschaft im aufsteigenden Wasser versinken ließ. An stillen Abenden, so heißt es, kann man noch heute die Glocke der Kapelle vom Grund des Sees läuten hören.

Seegeister, Glocken und stille Gewässer

Motive wie versunkene Glocken, Seegeister und untergegangene Orte ziehen sich durch das Sagengut ganz Schleswig-Holsteins – von der versunkenen Nordseestadt Rungholt bis zu den stillen Binnenseen der Holsteinischen Schweiz. Der Sage nach melden sich solche Geister vor allem in der Dämmerung und bei spiegelglattem Wasser, wenn die Seen ihre eigene Stimmung entfalten. Genau diese Stimmung – Nebel über dem Kellersee am frühen Morgen, das stille Ufer der Prinzeninsel – macht den besonderen Reiz einer Tour aus, ganz gleich, wie man es mit den alten Geschichten hält.

Wer durch die alten Residenzstädte fährt, begegnet zudem den landestypischen Erzählungen über Schlossgespenster und ruhelose Geister in den Gemäuern. Sie sind nicht historisch belegt – aber sie gehören zur Erzähltradition der Schlösser dazu und passen zu einem nebligen Halt vor den alten Mauern von Plön und Eutin.

Aufgeschrieben wurde all das überwiegend im 19. Jahrhundert, als in ganz Schleswig-Holstein gesammelt wurde, was bis dahin nur mündlich umlief – von versunkenen Orten bis zu Wassergeistern. Wer den Ukleisee oder den Kellersee im Morgennebel liegen sieht, braucht für den Rest keine Erklärung.

Sehenswert

Schlösser, Backstein & Geschichte: lohnende Stopps für Regentage

Im maritimen Norden gehört wechselhaftes Wetter dazu. Zieht Regen auf, muss die Tour nicht ins Wasser fallen – die Region hat eine ungewöhnliche Dichte an Kultur unter Dach.

Schlossmuseum Eutin und das Ostholstein-Museum

An einem grauen Tag verlagert sich der Eutiner Besuch nach innen: Das Schlossmuseum führt trockenen Fußes durch die Epochen, und gleich nebenan, im ehemaligen Marstall, liegt das Ostholstein-Museum. Es dokumentiert unter anderem die Glanzzeit Eutins als „Weimar des Nordens" um 1800 und das Wirken von Carl Maria von Weber, des Malers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und des Homer-Übersetzers Johann Heinrich Voß. Zum Eutiner Kreis jener Jahre zählten auch Dichter wie Klopstock, Herder und Matthias Claudius.

Plöner Altstadt bei Regen

In Plön hilft das Schloss am Regentag nur bedingt weiter, weil die Innenräume ausschließlich mit angemeldeter Führung zugänglich sind. Das Schlossgebiet mit Prinzengarten und Prinzenhaus ist dafür auch bei Nieselregen ein schöner Spaziergang, und für den Kaffee unter Dach bieten sich die Lokale der Altstadt an.

Backsteingotik und Hansestadt Lübeck

Wer mehr Zeit hat und das Wetter länger nicht mitspielt, fährt nach Lübeck. Die Altstadt ist UNESCO-Welterbe; das Holstentor von 1464 ist eines der berühmtesten Backsteingotik-Bauwerke Norddeutschlands und beherbergt ein Museum. Die typische rote Backsteinarchitektur – von Kirchen über Stadttore bis zu Speichern – prägt die ganze Region und erzählt von der Macht der Hanse. Lübeck liegt rund 50 Kilometer von Plön entfernt und ist über die B76 und die Autobahn gut angebunden.

Auch die alte Klosterstadt Preetz am Rand der Holsteinischen Schweiz lohnt einen Stopp, wenn man ohnehin in Richtung Kiel unterwegs ist.

Sehenswert

Seenlandschaft, Knicks und Naturstopps am Wegesrand

Die Holsteinische Schweiz ist eine der landschaftlich reizvollsten Regionen Norddeutschlands, und ein großer Teil davon steht unter Schutz. Der Naturpark Holsteinische Schweiz umfasst rund 750 Quadratkilometer und schützt die eiszeitlich geformte Hügel- und Seenlandschaft mit ihren über 200 Seen.

Eiszeitliche Seenlandschaft

Die heutige Landschaft entstand vor rund 10.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit. Beim Abschmelzen des Eises blieben die mitgeführten Gesteinsmassen liegen, in den ausgeschürften Hohlformen sammelte sich Wasser – so formte sich die gewässerreiche Hügellandschaft. Zu den größten Seen zählen Großer Plöner See, Kellersee, Dieksee, Kleiner Plöner See und der Große Eutiner See. Im Naturpark-Haus in Plön wird die Entstehungsgeschichte anschaulich vermittelt – ein guter Einstieg, bevor man die Seen selbst erfährt.

Knicks, Wallhecken und Alleen

Prägend für das Bild am Straßenrand sind die Knicks – auch Wallhecken genannt. Sie gehen aufs 18. Jahrhundert zurück, als Bauern damit Felder einfassten, Wind abhielten und Holz gewannen; vom regelmäßigen „Knicken“ der Gehölze haben sie ihren Namen. Schleswig-Holstein durchzieht ein Netz von rund 45.000 Kilometern Knicks – sie sind ökologisch enorm wertvoll und bieten auf nur einem Kilometer Wallhecke Lebensraum für viele hundert Tierarten. Zusammen mit den alten Alleen bilden sie das grüne Gerüst der Kulturlandschaft, durch das die Touren führen – und sie sind der Grund, warum die Strecken hier selten monoton werden: Hecken, Baumreihen und offene Felder lösen einander im Minutentakt ab.

Vom Binnensee ans offene Meer

Die Besonderheit der Region ist die Nähe zweier völlig verschiedener Landschaften: Innerhalb einer halben Stunde wechselt das Bild von der stillen Seenlandschaft zum offenen Meer. Vom „Hohwachter Ausguck" an der bewaldeten Steilküste reicht der Blick über die ganze Bucht – eine Küstenform, die in Deutschland selten geworden ist.

Pausenplätze

Pausen gehören in dieser Region fest in die Tagesplanung, weil der Wind über der offenen Landschaft mehr Kraft kostet, als die kurzen Distanzen vermuten lassen. An den Anlegestellen der Seen, am Plöner Schlossgebiet, am Bungsberg und in den Strandorten gibt es Gastronomie und Plätze, an denen sich Bike und Fahrer gut abstellen und durchatmen lassen.

Mit dem Schiff statt mit dem Bike

Eine Besonderheit der Region: Man muss nicht alles im Sattel erfahren. Die Fahrgastschifffahrt auf den Seen ist eine eigene Attraktion. Die Fünf-Seen-Fahrt tuckert gemächlich von Malente-Gremsmühlen bis Plön-Fegetasche über fünf miteinander verbundene Seen, dazu gibt es die Kellersee-Fahrt zwischen Malente und Eutin. Wer das Motorrad einen Vormittag stehen lässt und eine Etappe per Schiff zurücklegt, sieht die Landschaft aus einer ganz anderen Perspektive – ein willkommener Kontrast und eine gute Idee für einen Tag, an dem das Wetter zu durchwachsen für lange Etappen ist.

Die Seenkette als zusammenhängendes Fahrgebiet

Wer zum ersten Mal in die Holsteinische Schweiz einfährt, sucht meist die eine große Runde und findet stattdessen ein Geflecht. Grob zwischen Preetz, Ascheberg, Bosau und Malente liegen die Gewässer so dicht beieinander, dass fast jede Verbindung irgendwann an ein Ufer stößt, abknickt, eine Enge zwischen zwei Seen quert und danach in eine andere Richtung weiterläuft. Fahrtechnisch bedeutet das: wenige lange Geraden, viele mittelschnelle Bögen und immer wieder Engstellen, an denen die Fahrbahn zwischen Wasser und Böschung schmaler wird.

Motorrad in Fahrt auf einer Landstraße, Umgebung in Bewegungsunschärfe
Tempo auf der Landstraße

Eine Erwartung sollte man gleich korrigieren: Die großen Seen lassen sich nur in Ausnahmen wirklich umrunden. Der Asphalt hält meist Abstand zum Wasser und berührt es punktuell — an Ortslagen wie Bosau, Dersau oder Ascheberg, an Anlegern, Badestellen und Campingplätzen. Viele dieser Uferzufahrten sind Stichstraßen, die am Parkplatz enden. Das ist kein Mangel, verlangt aber eine andere Tourenplanung als in einem Mittelgebirge: Man fährt die Verbindungsstraßen zwischen den Seen und nimmt die Ufer als kurze Abstecher mit, statt eine durchgehende Uferlinie zu suchen.

Das eigentliche Fahrvergnügen liegt in den Rinnen und Landengen dazwischen. Wo zwei Wasserflächen nur ein paar hundert Meter Land trennen, wird die Straße geführt wie ein Hohlweg: erst ein Gefälle zum Wasser, dann eine Kuppe, dann die nächste Senke. Diese Abschnitte kommen im Minutentakt und ergeben über eine Tagesetappe einen Rhythmus, den man aus Norddeutschland nicht erwartet. Wer den Radius größer zieht, hängt südwestlich die Bornhöveder Seenkette an — deutlich stiller, kaum Ausflugsbetrieb, dafür schmalere Fahrbahnen und mehr Landwirtschaftsverkehr.

Praktisch für die Streckenwahl ist die Kleinteiligkeit: Verfährt man sich, kostet das selten mehr als zehn Kilometer. Zwischen zwei Punkten gibt es fast immer drei Wege, und der interessanteste ist regelmäßig der, der auf der Karte am krummsten aussieht.

Endmoränenprofil und der Anstieg auf den Bungsberg

Die Hügel dieser Gegend sind keine erodierten Reste eines alten Gebirges, sondern aufgeschobenes Material der letzten Vereisung. Für den Fahrer hat das eine konkrete Folge: Die Kuppen sind kurz, unregelmäßig und ohne erkennbares System aneinandergereiht. Es gibt keinen Kamm, an dem man sich orientieren könnte, und keine Talsohle, die die Richtung vorgibt. Wo im Gebirge eine Kurvenfolge vorhersehbar wird, bleibt sie hier bis zuletzt offen — Kuppen nehmen die Sicht auf die Kurve dahinter, und die Kurve dahinter fällt oft in die falsche Richtung ab.

Der Bungsberg bei Schönwalde ist die höchste Erhebung Schleswig-Holsteins und der einzige Punkt der Region, an dem sich ein Anstieg über mehrere Kilometer aufbaut. Interessant ist er weniger wegen der Höhe als wegen der Zufahrten: Aus Richtung Kasseedorf, aus dem Eutiner Raum und von Schönwalde her führen jeweils verschieden gebaute Strecken hinauf — teils breit ausgebaut, teils schmale Waldstücke mit welligem Belag. Das ganze Massiv lässt sich an einem Vormittag von mehreren Seiten abfahren, ohne einen Meter zweimal zu nehmen. Oben angekommen liegt der Reiz im Blick über die Hügel bis zur Küste; unten im Wald liegt er in den engen, schattigen Passagen, die im Frühjahr lange feucht bleiben.

Rund um den Berg zieht sich das kupierte Gelände weiter: Richtung Norden und Osten fällt es in Stufen zur Küste ab, nach Westen läuft es in die Seenlandschaft aus. Die Höhenunterschiede sind gering, aber sie sind ständig da, und sie machen den Unterschied zum flachen Westen des Landes deutlicher, als jede Zahl es kann.

Gutshöfe und Herrenhäuser als Fahrziele

Ostholstein ist altes Gutsland. Große Güter haben hier über Jahrhunderte nicht nur die Felder, sondern auch das Wegenetz geprägt — viele Landstraßen sind ausgebaute Gutswege, die von Hof zu Hof führen und deshalb an keiner Ortsmitte, sondern an einer Torzufahrt orientiert sind. Wer das einmal erkannt hat, liest die Karte anders: Die auffällig gerade Allee mitten im Nirgendwo ist keine Laune der Straßenbauer, sondern eine Sichtachse auf ein Herrenhaus.

Als Fahrziele funktionieren diese Ensembles gut, weil sie fast immer abseits der Durchgangsstraßen liegen und die Zufahrt selbst schon der Höhepunkt ist. Gut Panker nördlich von Lütjenburg ist ein geschlossenes Hofensemble mit gepflasterten Flächen und altem Baumbestand; in der Nähe liegt der Aussichtsturm Hessenstein auf einer der höchsten Erhebungen des Ostufers. Gut Salzau zwischen Preetz und der Küste, Gut Wahlstorf südlich von Preetz und Weissenhaus an der Hohwachter Bucht liegen jeweils an Straßen, die man sonst nicht fahren würde.

Zwei Hinweise zum Umgang damit gehören dazu. Erstens: Vieles ist Privatbesitz. Hofflächen, Parkanlagen und Wirtschaftswege sind nicht automatisch öffentlich zugänglich, auch wenn kein Tor davorsteht. Zweitens: Auf Gutshöfen ist Betrieb — Schlepper, Anhänger, Pferde, Hunde, Kinder. Ein Ensemble im Standgas zu durchqueren und außerhalb der Hofflächen zu parken, ist hier keine Höflichkeitsfloskel, sondern die Bedingung dafür, dass die Zufahrten offen bleiben.

Übergang zur Lübecker Bucht und über den Sund nach Fehmarn

Nach Osten hin läuft die Hügellandschaft an der Küste aus, und der Charakter der Strecke kippt. An der Lübecker Bucht reihen sich die Seebäder dicht aneinander: Neustadt, Sierksdorf, Scharbeutz, Timmendorfer Strand, dahinter Travemünde. Fahrerisch ist das der schwächste Teil der Region — Tempo-30-Zonen, Ampeln, Querungen, Parksuchverkehr. Man fährt diesen Abschnitt wegen des Meerblicks und wegen der Einkehr, nicht wegen der Kurven, und plant ihn besser als kurzes Stück am Ende einer Runde ein statt als Mittelteil.

Nördlich davon wird es wieder ruhiger. Über Oldenburg in Holstein und Heiligenhafen erreicht man den Fehmarnsund. Die Querung auf die Insel ist der markanteste Punkt der ganzen Küstenstrecke und zugleich der windanfälligste: Die Brücke steht frei über dem Sund, der Seitenwind setzt am Übergang von der Auffahrt auf das offene Bauwerk schlagartig ein. Wer hier mit hohem Windschild oder Koffern unterwegs ist, geht rechtzeitig vom Gas und rechnet mit einem Versatz.

Auf Fehmarn selbst ändert sich alles: flach, offen, kaum Bewuchs, Straßen wie mit dem Lineal gezogen. Nach der engen Seenlandschaft ist das ein harter Kontrast, für einen halben Tag reizvoll, dauerhaft aber anstrengend, weil der Wind ununterbrochen drückt. Dazu kommt der Verkehr der Vogelfluglinie — Fernlaster und Fährverkehr Richtung Puttgarden bündeln sich auf wenigen Achsen. Die Nebenstraßen der Insel sind deutlich entspannter, aber schmal und an den Rändern oft ausgebrochen.

Untergrund: Alleebäume, Feldsteinpflaster und Erntedreck

Der Belag ist in dieser Region ein eigenes Thema, und zwar unabhängig von den Ortsdurchfahrten. Alleen stehen hier unter Schutz und werden nicht gefällt, um Platz zu schaffen. Das heißt: alte Bäume dicht an der Fahrbahn, deren Wurzeln den Asphalt von unten anheben. Diese Wellen liegen häufig genau dort, wo man in Schräglage ist, und sie kommen in Serie. Auf gut ausgebauten Alleen merkt man davon wenig, auf Nebenstrecken sehr viel — dort lohnt sich Federungsreserve und ein Tempo, bei dem ein einzelner Versatz das Fahrwerk nicht überfordert.

Dazu kommt Feldsteinpflaster auf alten Gutszufahrten und Verbindungsstücken zwischen Dörfern. Es ist gröber als das Kopfsteinpflaster der Innenstädte, oft ausgefahren und bei Nässe ausgesprochen glatt. Solche Abschnitte tauchen ohne Vorwarnung auf, manchmal nur für zweihundert Meter mitten in einer sonst asphaltierten Strecke. Bremsen und Schräglage gehören davor erledigt, nicht darauf.

Saisonal kommt Landwirtschaft dazu. Ab dem Spätsommer sind Schlepper mit Anhängern unterwegs, und die Zufahrten von den Feldern tragen Erde auf die Straße — nach Regen wird daraus eine Schmierschicht, die vor allem in Kurvenausgängen unangenehm ist. Im Herbst liegt Laub, das unter Alleen tagelang nicht abtrocknet. Beides ist kein Grund, die Strecke zu meiden, aber ein Grund, in dieser Jahreszeit die Reserven größer zu halten.

Sommerbetrieb, Wasserwanderer und die Nähe zu Hamburg und Kiel

Die Region liegt im Naherholungsradius von zwei Großstädten. Kiel ist so nah, dass eine Feierabendrunde durch die Seen realistisch ist — entsprechend voll sind die Strecken an schönen Abenden. Hamburg liegt weiter weg, aber gut angebunden, und schickt an Wochenenden Tagesausflügler in dieselben Orte. Für die Tourenplanung heißt das schlicht: Samstag und Sonntag sind die schlechtesten Tage, und der Vormittag ist besser als der Nachmittag.

Ein Verkehrsanteil, den man aus anderen Revieren nicht kennt, ist das Wasserwandern. Kanus und Kajaks werden auf Dachträgern und Hängern zu den Ein- und Ausstiegsstellen gefahren, Segelboote und Trailer stehen an den Zufahrten zu Stegen und Slipanlagen. Diese Fahrzeuge sind lang, langsam und halten dort, wo es eng ist — genau an den Uferstichen und Landengen, auf denen man selbst unterwegs ist. Dazu kommen die Zubringer der Fahrgastschifffahrt und an heißen Tagen Parkplatzsuchverkehr an den Badestellen.

Wer diese Rahmenbedingungen einkalkuliert, fährt die Region weit entspannter. Praktisch bewährt hat sich, den Ausflugsbetrieb zeitlich zu umgehen statt räumlich: früh starten, die Seenstrecken und Uferabschnitte vor Mittag abfahren, danach in die dünner besiedelten Bereiche Richtung Bungsberg, Gutsland und Hinterland wechseln. Die Wochen außerhalb der Schulferien liefern denselben Effekt über den ganzen Tag.

Und noch etwas spricht für die Nähe der Städte: Ersatzteile, Reifen und Werkstattkapazität sind in Kiel und im Hamburger Umland verfügbar, während im Kreis Plön und Ostholstein die Betriebe dünn gesät sind. Wer eine längere Tour plant, hält das im Hinterkopf — die schöne Abgeschiedenheit der Gutsstraßen hat genau diese Kehrseite.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Der Elisabethturm auf dem Bungsberg, dem höchsten Punkt Schleswig-Holsteins

Bungsberg mit Elisabethturm und Aussichtsplattform

Mit 168 Metern die höchste Erhebung Schleswig-Holsteins und der einzige echte Anstieg der Region. Vom Fernmeldeturm reicht der Blick über Hügel, Wälder und Seen bei klarer Sicht bis zur Ostseeküste.

Anfahrt
Ab Schönwalde am Bungsberg (Kreis Ostholstein) zwischen Eutin und Neustadt in Holstein; von der Ortsmitte ausgeschilderte Auffahrt zum Gipfelbereich.
Motorrad-Parken
Parkplatz am Bungsberg unterhalb der Türme; für Motorräder reichlich Platz, kurzer Fußweg zu Turm und Plattform.
Öffnungszeiten
Aussichtsplattform am Fernmeldeturm kostenlos zugänglich; Elisabethturm saisonal begehbar (seit 2017 wieder geöffnet).
Höhe/Aussicht
168 m ü. NN – höchster Punkt Schleswig-Holsteins; frei zugängliche Turmplattform in rund 40 m Höhe.

Schloss Eutin – Wasserschloss und Schlossgarten

Vierflügeliges Wasserschloss der Fürstbischöfe von Lübeck, einer der bedeutendsten höfischen Profanbauten Schleswig-Holsteins, umgeben von einem englischen Landschaftsgarten. Eutin trägt den Beinamen Rosenstadt und ist Geburtsort des Komponisten Carl Maria von Weber (1786).

Anfahrt
Direkt an der B76 zwischen Plön und Scharbeutz; Stadtmitte Eutin, kurzer Weg zum Schloss.
Motorrad-Parken
Parkplätze in der Eutiner Innenstadt nahe Markt und Schlossvorplatz; Motorrad-Stellplätze zentrumsnah.
Öffnungszeiten
Schlossmuseum saisonal geöffnet (Zeiten variieren nach Saison); Schlossgarten frei zugänglich.

Schloss Plön über dem Großen Plöner See

Weiß leuchtender Renaissancebau von 1633–1636, einst Residenz des Herzogtums Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön, hoch über dem größten Binnensee des Landes. Heute Sitz der Fielmann-Akademie; der Halt lohnt vor allem für den Blick vom Schlossberg über den See.

Anfahrt
Am Knotenpunkt von B76 und B430 in Plön; vom Stadtzentrum hinauf auf den Schlossberg.
Motorrad-Parken
Parkplätze am Schlossberg und in der Plöner Innenstadt am Seeufer.
Öffnungszeiten
Schloss selbst nicht als Museum öffentlich (Fielmann-Akademie); Schlossberg mit Seeblick und Umfeld frei zugänglich.
Höhe/Aussicht
Erhöhter Schlossberg mit weitem Blick über den Großen Plöner See.

Ukleisee bei Sielbeck

Stiller Toteissee in einem bewaldeten Kessel zwischen Eutin und Malente, seit dem 19. Jahrhundert ein Motiv der Landschaftsmalerei. Ein Rundweg von gut drei Kilometern führt autofrei ums Ufer – ein ruhiger Foto- und Rast-Stopp abseits der Hauptachsen.

Anfahrt
Über die B76 bis Eutin bzw. Malente, dann nach Sielbeck (Ortsteil von Eutin); Zufahrt bis zum Seeeingang.
Motorrad-Parken
Wanderparkplatz am Ukleisee in Sielbeck; von dort kurzer Fußweg an den See.
Öffnungszeiten
frei zugänglich

Aussichtsturm Hessenstein bei Panker

Backsteinturm von 1841 auf dem Pilsberg beim Gut Panker im Norden der Region. Der Aufstieg belohnt mit weitem Blick über die Endmoränenhügel bis zum Selenter See und zur Ostseeküste bei Lütjenburg.

Anfahrt
Über B430/B202 nach Lütjenburg, dann Richtung Gut Panker; kurze Stichstraße zum Turm.
Motorrad-Parken
Parkplatz am Gut Panker unterhalb des Turms; kurzer Fußweg hinauf.
Öffnungszeiten
Öffnungszeiten des Turms variieren saisonal; Aussichtsgelände frei zugänglich.
Höhe/Aussicht
Turm auf dem Pilsberg mit Blick über die Hügellandschaft zwischen Selenter See und Ostsee.

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