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Holsteinische Schweiz

Die Motorrad-Reviere der Holsteinischen Schweiz

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Die Holsteinische Schweiz trägt ihren großen Namen nur im Vergleich zum platten Umland zu Recht: Berge gibt es keine, aber ein von der Eiszeit aufgeworfenes Hügelland aus Seen, Endmoränen und Buchenwäldern, durch das schmale Teerbänder in ständigem Auf und Ab führen. Für den Norden ist das eine Seltenheit — echte Höhenwechsel, enge Radien, dazu Uferstraßen und Alleen auf kurzer Distanz.

Das Seenland um Plön und Malente

Reetgedecktes Haus hinter Sonnenblumen, davor ein Motorrad auf der Straße
Reetdach und Sommerblumen am Straßenrand

Das fahrerische Herzstück liegt zwischen Malente, Eutin und Plön. Von Malente läuft die klassische Runde am Kellersee entlang Richtung Eutin, dann folgt die Passage, für die man herkommt: schmale, oft nur autobreite Sträßchen am Belauer See und am Großen Plöner See, die stellenweise wie durch einen Tunnel aus alten Bäumen führen. Hier zählt nicht Tempo, sondern der Rhythmus aus kurzen Geraden, blindem Kurvenscheitel und Kuppen — das gefaltete Moränenland liefert den Wechsel aus Steigung und Gefälle gratis mit. Am höchsten Punkt mancher Abschnitte liegen mächtige Findlinge, von den Gletschern der letzten Eiszeit hier abgelegt, die dieses ganze Hügelland überhaupt erst geformt haben.

Der Bungsberg – Steigung, wo sonst keine ist

Motorrad in Fahrt auf einer Landstraße, Umgebung in Bewegungsunschärfe
Tempo auf der Landstraße

Wer im Norden eine echte Auffahrt sucht, findet sie am Bungsberg bei Schönwalde: Mit rund 168 Metern ist er die höchste Erhebung Schleswig-Holsteins. Die Steigung ist kurz, aber ernst gemeint — ordentlich Anzug und ein enger Bogen, wie man sie sonst erst weiter südlich bekommt. Oben krönt ein Aussichtsturm die Kuppe, und bei klarer Luft reicht der Blick über die Seenkette bis zur Ostsee. Als Etappenziel lohnt der kurze Abstecher gerade deshalb, weil er im flachen Umland die Ausnahme bleibt.

Alleen und Uferstraßen – schön, aber mit Tücken

Das zweite Markenzeichen sind die Alleen. Das Baumspalier bei Bornhöved im Süden der Region gehört zu den bekanntesten weit und breit — kilometerlang schnurgerade, mit gleichmäßigem Lichtflackern durch die Kronen. Dazu kommen Uferabschnitte am Selenter See, einem der größten Seen des Landes, wo die Straße dicht am Wasser bleibt. Fahrerisch haben Alleen ihre Kehrseite: Die Stämme stehen ohne Auslauf am Asphalt, bei tiefstehender Sonne stroboskopiert das Licht durch die Reihe, und im Herbst liegt nasses Laub genau in der Kurvenlinie — schattige Abschnitte trocknen oft den halben Tag nicht ab.

Eutin und Plön – die Städte am Wasser

Eutin, das „Weimar des Nordens", und Plön sind die urbanen Ankerpunkte zwischen den Etappen. Plön sitzt mit seinem weißen Schloss auf einer Anhöhe über dem Großen Plöner See — dem größten See Schleswig-Holsteins und damit der logischen Drehscheibe jeder Runde. Eutin steuert Altstadt, Residenzschloss und Seepromenade bei. Beide Orte liegen so zentral, dass man sie fast zwangsläufig ansteuert — passend für Tankstopp, Kaffeepause oder als Ausgangspunkt einer Tagesrunde.

Kleine Ziele am Wegesrand

Rund um den großen See lohnen die stillen Adressen. Bosau am Westufer ist ein winziges Dorf auf einer Landzunge, mit einer der ältesten Kirchen der Region und einem ruhigen Wendepunkt am Wasser. Am westlichen Rand liegt die Schusterstadt Preetz an der Schwentine — dem Fluss, der die Seenkette auffädelt und weiter nach Kiel zur Ostsee zieht. Wer es noch abgeschiedener mag, fährt zum Ukleisee bei Sielbek, einem kleinen Waldsee im Naturschutzgebiet; die Sielbeker Klause gleich daneben taugt als schattige Einkehr. Dass die Landschaft entlang der Strecken so geschlossen wirkt — Wald, Wasser, Weide, kaum Zersiedelung —, liegt am Naturpark Holsteinische Schweiz, der den Kernraum unter Schutz stellt. Und wer die Maschine einen Nachmittag stehen lässt, nimmt in Malente-Gremsmühlen die Fünf-Seen-Fahrt der Fahrgastschifffahrt bis nach Plön — die Region aus der Wasserperspektive.

Anschluss – Ostsee, Fehmarn und der Norden

Die Holsteinische Schweiz liegt so dicht an der Küste, dass sich Seen und Meer an einem Tag verbinden lassen. Von Eutin sind es nur wenige Kurven bis Neustadt in Holstein und an die Lübecker Bucht; nach Norden führt die Küstenroute über Großenbrode und die Fehmarnsundbrücke nach Fehmarn, wo Wind und weite Deichstraßen einen ganz anderen Fahrcharakter setzen. Wer länger unterwegs ist, hängt das übrige Schleswig-Holstein mit Schlei und Angeln an — dort beginnt allerdings schon das nächste Revier.

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